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Nora Tretau
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Medienanalyse - Cells in Media [DEUTSCH]

Post by Nora Tretau » 29.09.2012, 13:30

Cells in Media
Eine mediale Analyse von War of the Worlds (In- und Outro) und The Inner Life of the Cell


Wer glaubt, die Art der Darstellung von Zellen sei ausschließlich für zellbiologische Forschungsfelder von Relevanz, der irrt. Die Zellvisualisierung ist auch im Bereich der Unterhaltung und Pädagogik – wenn auch sicher auf andere Art und Weise – ein entscheidender Faktor.
Zur Verdeutlichung der Möglichkeiten der Zellvisualisierung im medialen Bereich werden im Folgenden zwei unterschiedliche Filmsequenzen medienanalytisch betrachtet. Das formal zusammenhängende In- und Outro des Spielfilms War of the Worlds (2005) sowie die edukative Animation The Inner Life of the Cell.

War of the Worlds
Bereits 1898 erschien mit H.G. Wells‘ The War of the Worlds die literarische Vorlage für diesen Spielfilm. Zahlreiche weitere Adaptionen und Anspielungen folgten in Film und Fernsehen, Spiel, Literatur sowie Hörfunk.
Grundlegende medienanalytische Charakteristika des Films sind vor allem die sogenannte subjektive Kamera, die den Fokus auf den Blickwinkel einer bestimmten Person legt, die simulierte Optik einer Handkamera sowie der Bottom-up Ansatz. All diese Merkmale sind typisch für einen Katastrophenfilm. Verwackelte Bilder, die vermeintliche Handkamera und die subjektive Fokussierung vermitteln die Authentizität eines Dokumentarfilms. Der Bottom-up Ansatz verdeutlicht dabei die (vermeintlichen) Machtverhältnisse und lässt die Welt allgemein als Organismus erscheinen.
War of the Worlds verdeutlicht ein simples Prinzip: Jeder Organismus besteht aus kleineren Organismen, umgekehrt ist aber auch jeder Organismus Teil eines größeren Organismus. Somit bestehen Abhängigkeiten in beide Richtungen.

Intro
Dieser Metaphorik folgen ebenfalls In- und Outro des Films. Auch im Intro wird der Bottom-up Ansatz verwendet. Während einer sogenannten unechten Kamerafahrt erfolgt ein allmählicher zoom-out vom Inneren einer Zelle bis zum Äußeren des nächstgrößeren Organismus‘, einem Wassertropfen. Unterlegt ist die Sequenz mit sphärischer Musik.
Die unbewegte Standkamera verbleibt dabei durchgehend in der Nullperspektive, während die Einstellungsgröße allmählich immer mehr erweitert wird. So sind in der Einstellungsgröße Detail (D) zu Beginn noch einzelne Zellorganellen in Bewegung zu erkennen, in der folgenden Einstellungsgröße Groß (G) kann man bereits eine Häufung der Organellen ausmachen und in der nahen Einstellung (N) ist bereits die gesamte Zelle mit ihren Bestandteilen zu sehen. Es folgen die Einstellungsgrößen Halbnah (HN), in der mehrere Zellen zu erkennen sind, und Totale (T), in der ein distanzierter Überblick über zahlreiche Zellen möglich ist. Das Intro schließt mit einer halbnahen Einstellung, die den aus zahlreichen Zellen bestehenden Wassertropfen zum Zentrum hat.

Outro
Das Outro folgt demselben Prinzip. Da die Logik der Rahmenhandlung allerdings nach einer umgekehrten Bildreihenfolge verlangt, wird hier der Top-down Ansatz verwendet. Die Sequenz ist ebenfalls mit sphärischer Musik unterlegt, außerdem mit einen narrativen voice-over.
Erneut wird die unechte Kamerafahrt einer Standkamera in Nullperspektive eingesetzt, diesmal als zoom-in. Von einer Halbtotalen (HT), der Darstellung einer Blattknospe vor einer zerstörten Stadt im Hintergrund, wandelt sich das Bild zu einer halbnahen Einstellung, die ähnlich dem Intro Wassertropfen auf einem Blatt zeigt. Es folgen eine Totale, die erneut überblickshaft das Innere des Tropfens darstellt, eine halbnahe Einstellung, die mehrere Zellen zeigt, sowie eine nahe Einstellung, die wieder eine einzelne Zelle abbildet. Auch die daran anschließenden Einstellungen bewegen sich parallel zu den Bildern des Intros. Die große Einstellung lässt eine Häufung zahlreicher Zellorganellen erkennen, die Einstellungsgröße Detail zeigt einzelne Zellorganellen aus geringster Entfernung. Das Outro schließt sogar mit dem Ausblick auf eine Weite (W), einem unendlichen Sternenhimmel, und geht anschließend in den Abspann über.

Fazit
Intro und Outro nutzten die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen Einstellungsgrößen. Nicht nur Details, Bewegungen und Überblicke können so besonders gut dargestellt werden, auch der ewige Kreislauf kommt zur Geltung. So wie größere Organismen aus kleineren bestehen, wechseln die Einstellungen innerhalb der Darstellung eines Organismus‘ von Detail auf Totale, um bei der Abbildung des nächstgrößeren Organismus‘ wieder beim Detail zu beginnen.
Der Grundgedanke von War of the Worlds wird also auch im In- und Outro nicht nur inhaltlich, sondern auch formal umgesetzt. Die realistische Darstellung von Zellen ist dabei recht gut gelungen, steht aber nicht im Vordergrund. Stattdessen liegt das Hauptaugenmerk auf der symbolischen Ebene.

The Inner Life of the Cell
Die Animation, deren Inhalt bereits an anderer Stelle ausführlich thematisiert wird, soll im Folgenden aufgrund ihres größeren Umfangs lediglich einer kurzen Medienanalyse unterzogen werden.
The Inner Life of the Cell verbildlicht den Ablauf der Leukozytendiapedese. Die Animation beginnt mit einer groben Verortung des Geschehens. Es folgen ein starker zoom-in, der Zelldetails und innerzelluläre Abläufe sichtbar macht, sowie ein anschließender starker zoom-out, der das Resultat der vorherigen Abläufe erkennen lässt. Als Endsequenz wird erneut die Anfangssequenz verwendet, um so die Kreisläufigkeit der Geschehnisse zu vermitteln.
Die Animation arbeitet dabei mit zahlreichen Einstellungsgrößen (D, G, N, HN, HT, T), die oftmals sehr schnell wechseln und so das Gefühl großer Räumlichkeiten vermitteln. Zusätzlich dazu werden auch alle Möglichkeiten perspektivischer Einstellungen (Nullperspektive, Vogelperspektive, Froschperspektive und Zwischenformen) sowie Kamerabewegungen (Kamerafahrt (inklusive zoom-in und zoom-out) und Schwenk (vertikal, horizontal)) genutzt. Auch die Standkamera findet hier als Kontrast zum sich stark bewegenden Bildinhalt Verwendung.
Tonale Unterstützung erfährt The Inner Life of the Cell durch eine in zwei Ebenen aufgeteilte Hintergrundmusik. Während den Vordergrund ein dynamikerzeugender Loop aus Klaviertönen dominiert, ist im Hintergrund eine orchestrale Klimaxstruktur wahrzunehmen.
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Abb. 1: Beispielhafte Darstellung eines Ausschnitts eines Storyboards.
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Fazit
The Inner Life of the Cell veranschaulicht die Leukozytendiapedese auf optisch und medial ansprechende Art und Weise. Ton, Bildauswahl, Farben und Kameraführung bewirken starke Dynamiken, es entstehen Spannungsbögen und dramaturgische Strukturen. Zum Teil erhalten einzelne Zellkomponenten beinahe eine Art Charakterisierung.
Die edukative Animation vermittelt einen sehr hohen Detailgrad, ist jedoch aufgrund ihres verspielten Charakters nur als ergänzende, anschauliche Visualisierung zu verstehen. Für ein umfassendes Verständnis der wissenschaftlichen Details empfiehlt sich daher die kommentierte Version der Animation oder eine vorherige Lehreinheit.

Quellen
• War of the Worlds (2005)
• The Inner Life of the Cell
http://www.imdb.com
Attachments
Cells in Media.pptx
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